Daniel Wischer

Was macht man, wenn nach ausgedehntem Einkaufsbummel durch die Hamburger Innenstadt der große Hunger kommt und man sich gerade in der Spitalerstraße befindet? Man kehrt in die Fischbratküche von Daniel Wischer ein. So war das schon als ich noch kaum über die Tischkante gucken konnte und so hätte es auch noch sein können, wenn ich nur noch in Begleitung eines Pflegers an den Tisch gelange. Aber offensichtlich ist die Daniel Wischer-Firmenleitung da ganz anderer Ansicht.

Wir kehrten an einem Dezemberfreitag gegen 18 Uhr in das noch gut besetzte Lokal ein, wenn auch die Empore, die man sich seit dem großen Umbau gegönnt hat, fast leer war.
Man muss den ziemlich gut besuchten Outdoorverkauf aber mit einbeziehen, draußen stehen meist recht viele Personen und mampfen den Inhalt ihrer Fish- und Chipstüten.
Wir wollten sitzen und fanden auf Höhe des Aquariums nahe des Eingangs einen Tisch.
Die Einrichtung ist seit dem vor etlichen Jahren erfolgten Komplettumbau gediegen und praktisch, viel Holz und Atmosphäre wie in einem großen, engen Fischbistro. Das Mobiliar erweckt Erwartungen.
Vor dem großen Umbau befand man sich in einer gemütlichen Großkantine mit dem Charme der 60er Jahre, immerhin gibt es den Betrieb schon seit 1924 und der Begriff "Bodenständigkeit" wurde hier gelebt.

 
 

Man fragte sich (so völlig untypisch für uns Norddeutsche) von Tisch zu Tisch durch, ob noch zwei Plätze frei sind und setzte sich in Tuchfühlung dazu, denn was in manchen Lokalen an Tischfläche allenfalls 2 Personen zugedacht war, wurde hier mit 4 Personen besetzt. Es gab preiswerten, superfrischen Seefisch und dazu Kartoffelsalat mit und ohne Majo und wer wollte, bekam statt dessen Pommes.
Mein Standardgericht als Kind, als Pubertierende, als Jungmädel, als Verheiratete war stets Fischfrikadellen mit Kartoffelsalat ohne Majo, dazu Fassbrause. Und der Standardspruch meiner oft genug die Rechnung begleichenden Mutter war: "Kind, du darfst aber auch gern was Teureres essen, nimm doch wie ich den Goldbarsch."
Der kam jedoch damals nicht an die unübertroffenen Fischfrikadellen heran. Das war Fischgeschmack pur und nur außen umgab  eine dünne krosse Panade den Fischklops. Diese Ära endete mit dem großen Umbau.

Den bislang im Inneren weißlichen Fischfrikis wurde eine gehörige Portion Lachs mitgegeben und damit der Geschmack total verändert. Ich wage auch zu behaupten, dass man als Bindemittel gern und großzügig etwas Pflanzliches verwendet. So blieb in den letzten Jahren nur der Goldbarsch, der wenigstens schmeckte noch.

Die Kindheitstradition aufleben lassend, bestellten wir nun je 0,5 l Fassbrause für 4,20 Euro das Glas, die auch prompt geliefert kam. Sie schmeckte wie immer, süß und schlapp, wie Fassbrause nun mal schmeckt. An ihr war nix auszusetzen.
Kabeljau war aus, auch Krabbenrührei, kein Problem, so bestellten wir als Hauptgericht die Backfischplatte für 14,90 Euro und den Goldbarsch für 12,90 Euro je mit Kartoffelsalat.

Was uns dann überraschend rasch auf den Tisch gestellt wurde, war derartig ernüchternd, dass wir beschlossen, die schönen Kindheitserinnerungen zu bewahren und sie nie wieder durch weitere negative Erfahrungen zersägen zu lassen.
Die Backfischplatte bestand aus je einem Stück Lachs-, Seelachs- und Goldbarschfilet mit dem dazu gehörigen Kartoffelsalat, auf den ich gleich noch eingehe. Seitlich ein großes Stück frische Zitrone und ein geschmortes Cocktailtomätchen.
Alle drei durchaus nicht kleinen Fischstücke befanden sich in einer billigen Panadenpampe und waren frittiert. Der Eigengeschmack der Fische ließ sich, bis auf den Lachs, was aber kein Kunststück ist, nicht mehr erschmecken. Gute Hausmannskost schmeckt anders. Die dicke Panade, die offensichtlich den Fisch um mindestens 1/4 vergrößerte, schmeckte nicht. Der totgebratene Seelachs wurde im Mund immer mehr, aber wenigstens der Lachs war top gegart und der Goldbarsch war ebenfalls in Ordnung.
Das konnte man leider von den beiden ordentlich großen Goldbarschstücken auf dem anderen Teller nicht behaupten. Abgesehen von derselben Panadenattacke auf den Gaumen, die dazu führte, dass der Fisch einfach aus der Mehlpampenhülle gegabelt wurde und sich am Ende auf dem Teller ein Haufen Müll sammelte, schmeckte der Goldbarsch nicht frisch. Und das in einer Fischbratküche!

Und nun zum Kartoffelsalat: Ich gestehe, dass ich den Kartoffelsalat von Daniel Wischer gerade wegen seines billigen Geschmacks immer gemocht habe. Er besteht aus völlig unterschiedlich großen und kleinen Kartoffelscheiben unterschiedlichster Dicke und liegt in einer milchig sämigen Essig- und Ölmarinade, gewürzt mit Pfeffer und Salz. Schlichter geht's nun wirklich nicht und ich habe mich das erste Mal gefragt, wie er Personen vorkommen mag, die nicht, wie ich auf den Billiggeschmack abfahren.
Man schmeckt den einfachen Essig heraus, es fehlt jegliche Mühe in der Verarbeitung, die Kartoffeln werden offensichtlich kreuz und quer verarbeitet und was für eine Revolution würde wohl ausbrechen, wenn sich wenigstens ein wenig Gewürzgurke im Salat befände? Ganz zu schweigen von all den anderen Zutaten, mit denen man einen Kartoffelsalat krönen kann. So aber fügt sich das Ganze zu einem billig schmeckenden Gericht aus nicht mehr frischem Goldbarsch und schlichtestem Kartoffelsalat, für das dann 12,90 Euro zu viel sind. Man wird in Zukunft ohne mich und meine Familie auskommen müssen.

Ein Beitrag der Genussanwältin

 

Daniel Wischer
Spitaler Straße 12
20095 Hamburg
Tel.:040 - 32 52 58 15
 

 

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