El Pulpo

 

Spaniens Gitarren....
        ...sind deutlich zu vernehmen, wenn man sich zum Speisen bei El Pulpo in der Wandsbeker Zollstrasse in Hamburg einfindet. Allerdings werden diese Gitarren zumeist von den 'Gipsy Kings' gezupft, welche eigentlich aus Frankreich stammen, und die Küche ist wohl eher portugiesisch als spanisch angehaucht.

Auffällig ist zunächst eine üppige Fischtheke, die durchaus an solche der kanarischen Inseln erinnert - alles sehr frisch und auf Eis, gewissermaßen eine Speisekarte in Naturalien. Überhaupt ist die reale Speisekarte - nicht überraschend - sehr fisch- und meeresfrüchtelastig. Manche Gerichte, wie Schwertfisch in Bananensauce, erinnern denn auch eher an die kanarische Küche...
Man sitzt gepflegt und nicht unbedingt bequem an recht massiven Eichentischen, schnell kommt der Kellner angesprungen und überreicht die Speisekarten. 
Oh, sehe ich, es gibt Schwertmuscheln als Vorspeise für 11 Euro - aber leider, wird mir bedeutet, seien die gerade nicht vorrätig, weil der Chef nur das beste kaufe und die Ware nicht so toll gewesen sei.... weil der Kellner so treuherzig guckt, glaube ich ihm sofort. ;-)
Nun denn, also neuseeländische Grünschalmuscheln in Tomaten-Zwiebelsauce als Vorspeise, ist vorrätig und tatsächlich sehr lecker. Und kostet nur 6 Euro.

Vorneweg werden (kostenfrei) Brot sowie immer ein paar Tiefseegarnelen mit einer gelungenen Knoblauchsoße serviert, nette Geste.
Als Hauptgericht wählte ich Seeteufelfilets in Pfeffersauce mit Gemüse für 15 Euro, das war sehr frisch und lecker und das Gemüse war nicht totgekocht !
Sämtliche Gerichte bereiten die wendigen Köche auf dem Holzkohlegrill zu - die Speisen sind 'auf den Punkt' gegart und die Sauce trennt sich nicht in Wasser und feste Bestandteile.
Und: Filet ist wirklich Filet, ich musste nicht auf Gräten herumknubbern. Satt wurde ich auch.
Mein Mit-Esser wählte einen Eintopf aus Fisch und Meeresfrüchten und zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden hinsichtlich Frische und Geschmack. Allerdings hatte er mit Hummerzange und ähnlichem doch ziemlich zu kämpfen und schien mir mein Filet zu neiden ;-)

Nachtisch gibt's auch, ich entschied mich, wenn schon beim Spanier, für einen Flan. Der war lecker, nicht zu süß oder labberig, und badete in einer Karamellsauce. Billige Sprühsahne aus der Dose mit Vanillingeschmack war jedoch überflüssig und geschmacklich daneben bis desaströs.

Die Weinauswahl ist klein und sehr spanisch, wir entschieden uns für einen bewährten weißen Marques de Riscal aus dem Jahre 1999 für € 18,- die Flasche - ein sehr gefälliges Tröpfchen und für diesen Preis im Restaurant in Ordnung.
Die Aufmerksamkeit des etwas hektischen Personals war nicht ganz so, wie ich mir das erträume:
Wein mussten wir uns schon selbst nachschenken, und es dauerte 20 Minuten, bis wir jemanden auf unseren Zahlungswunsch aufmerksam machen konnten. Antwort: Kollege ist zuständig - und der kam dann tatsächlich nach weiteren 20 Minuten, obwohl die Restauration nicht einmal zur Hälfte besetzt war.

Wir sind dann insgesamt mit einer Rechnung von € 65,- für 2 Personen, inkl. Wein, Vorspeise und Nachtisch nach hause gegangen, das ist angesichts der Qualität der Küche angemessen.
Montags bis Freitags gibt es preiswerten Mittagstisch, habe ich aber nur hinsichtlich der Tintenfischgerichte (Spieß) probiert - für 6 Euro einfach bestens!

Im April 2005 - nach der Renovierung - habe ich noch einen selbstlosen Test unternommen. Der Service hat sich ein wenig, die Küche deutlich verbessert. Ein besonderes Lob kommt dem Seezungenfilet in Mandelsauce zu, der Crema Katalana auch. Der Wein Marques de Riscal war jetzt nur noch vom jungen Jahrgang 2004 zu haben, aber durchaus genießbar. Ich hätte es schöner gefunden, wenn der - durchaus begabte - Hausmusikant eine Spur leiser aufgespielt hätte.

El Pulpo hat auch eine Niederlassung in Berlin, die heißt dort 'La Sepia' in der Marburger Str. 2 und ist sicher auch nichts für Hungrige, die keinen Fisch oder ähnliches Meeresgetier mögen.

Wer die spanische Küche lieber besonders edel schätzt, sollte das Portomarin (Dorotheenstr. 180) versuchen. Aber bitte rechtzeitig reservieren! Einen sehr schönen Pesquera gibt's da, Condado de Haza auch! :-)

 

An einigen Sonntagen im Jahr gibt es im El Pulpo mittags ab 12:00 Uhr ein üppiges Tapasbuffet für 14,50 Euro pro Genussmensch - sehr zu empfehlen! Weiter unten findet sich ein kurzer Bericht darüber.

 

---

Was sich auch im August 2014 lohnte, war der Mittagstisch - und nicht nur preislich. Vorweg standen Brot und eine kräftige Aioli auf dem Tisch. Als Vorspeise hatten wir eine wirklich kräftige Hühnersuppe, wie sie früher bei Oma geschmeckt hat, also aus richtig ausgekochtem Huhn. Im heißen August natürlich eine schweißtreibend-grenzwertige Erfahrung. Hauptgericht war dann zum Einen ein wunderbar lockeres Omelett mit Krabben, wobei die Krabben wohl nur eingelegte waren - für insgesamt 5,50 Euro aber vollkommen in Ordnung. Zum Anderen gab es verschiedene Fische vom Grill, wunderbar frisch und auf den Punkt gegrillt, vier kleine Filetstücke (Lachs etc.) und eine ganze Sardine, dazu Gemüsebeilage, bestens! Das Ganze zum Preise von 7,20 €, inklusive der Suppe. Allemal eine Alternative zu den Kantinen der Umgebung!

Wofern es die Gemüsesuppe als Vorspeise gibt, ist auch die zu empfehlen, wenngleich für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich nüchtern:

Nicht so richtig begeistern konnte uns 'Sepia vom Grill'. Zwar nicht zäh, aber doch schon sehr, sehr fest, das gute Stück:

 

 

El Pulpo in Wandsbek:

Wandsbeker Zollstr. 25-29   (0 40) 68 06 25

 

 

  nach oben

 

Tapas-Buffet im El Pulpo

 

  

 

Am 22. August 2010 war es wieder so weit, im El Pulpo wurde, wie etwa alle sechs Wochen, ein sonntägliches Tapas-Buffet geboten - sehr umfänglich, sehr frisch und sehr günstig. Pro Person werden 14,50 Euro exklusive der Getränke, aber inklusive Nachtisch, verlangt. Der interessierte Gast sollte also früh reservieren. Gewöhnungsbedürftig ist die Anfangszeit, nicht jedermann ist sonntags schon um 12 Uhr mittags bereit für einen derartigen Rundlauf durch die spanisch-portugiesische Küche. Zur Auswahl standen

Boquerones (Sardellen) eingelegt
Calamares Pica-Pica (in Rotwein geschmort)
Weisse Riesenbohnen mit Thunfisch
Stockfisch-Kroketten
Albondigas (Hackbällchen in Tomatensauce)
Schinken-Käse-Röllchen paniert und frittiert
Pflaumen im Speckmantel
Feta-Weichkäse eingelegt
Verschiedene Gemüse im Backteig mit pikantem Dip
Runzelkartoffeln mit 2 verschiedenen Saucen
Paella
Krabbentaschen
Muslitos (Krebsfleisch) paniert
Serrano-Schinken
marinierte Möhren
Lachsspieße


und noch sehr vieles mehr - alles bemerkenswert frisch und gut gewürzt. Ein paar Warmhalteplatten wären nicht schlecht gewesen, in Speckröllchen gegrillte Pflaumen oder Datteln munden einfach ein paar Grad  über Zimmertemperatur besser.

  


Absolute Spitzenqualität wird mit dem Lachs geboten, ein zartsaftiger Gourmettraum in Hellrosa - leider wollten mir weder der Chef noch der Koch die Zubereitungsart verraten, Geheimnis. Aber für so ein Riesenvieh würde der Platz in meinem Backofen ohnehin kaum reichen.
Überraschend lecker und beiläufig scharf waren die mit Knoblauch marinierten Möhren, die auf den ersten Blick noch todlangweilig gewirkt hatten. Weich und würzig auch die in Rotwein geschmorten Calamares. Dazu passt gut der günstige Rote des Hauses, man bekommt ihn als 1-Liter-Karaffe serviert und zahlt dann glasweise.

Nicht gefallen haben mir die Stockfisch-Kroketten, viel zu fischig, viel zu trocken; umso gelungener die mit einer leichten Thunfischmayonnaise gefüllten roten Paprika.

Aufmerksame und freundliche Kellner rundeten das Bild ab, wir hatte also keine benutzten Tellerstapel auf dem Tisch.

  

rechts oben Genussgenie Gogolin beim gnadenlosen Test

 

Es dürfte wirklich für jeden etwas dabei sein, wer Fisch hasst, kann zu den köstlichen panierten Schinken-Käse-Röllchen, zum Fetasalat oder den kleinen Spezialitäten vom Schwein oder Huhn greifen. Eine klare Empfehlung für dieses Buffet, das von der Frische seiner Komponenten lebt - und das am Ende einen netten Obstsalat und eine wirklich hervorragende, angenehm herbe Creme bietet:

Und jawohl, Meia de leite, portugiesischen Milchkaffee, kann man im El Pulpo auch kochen, mit einer sehr festen Crema.

Wem das für den Rest des Tages nicht genügt, der kann sich, wie wir es heute gehandhabt haben, in der rund 300 Meter entfernten Konditorei Andersen auf derselben Straßenseite ein paar leckere Stückchen Sahnetorte einpacken lassen - sicher die besten in Hamburg. Inzwischen ist die kulinarische Insel 'Andersen' leider geschlossen.

 

 

 

nach oben

 
genussgenie.de