Estancia Steaks

 

Der Genusspapst hatte ins Afrikahaus eingeladen - und zunächst ob der zweifelhaften Restaurantwahl 'Steakhaus' hochgezogene Augenbrauen kassiert. Durch den landesweiten Siegeszug der Massen abfertigenden Systemgastronomie stehen derartige Lokalitäten nicht eben im Verdacht, als Geheimtipp für Gourmets verkannt zu werden. Auch die eher schlichten Tischchen ließen uns wenig Gutes erhoffen.

Allerdings fiel auf, dass der Laden mit den rechteckigen Kuhfellen an der Wand bis auf den letzten Platz ausgebucht war, und auch wir hätten ohne Reservierung hungrig und durstig davon ziehen müssen. So aber wurden wir sehr freundlich empfangen und die ganze Zeit über von beinahe überaufmerksamem Personal umsorgt.


Vorweg gab es ein paar Baguettescheiben, dazu präsentierte ein Kellner stolz die hausgemachte Steaksauce ('Chimichurri'). Damit hatte man sich vermutlich recht viel Arbeit gemacht, aber eigentlich schmeckte sie nur ein wenig säuerlich.
Die Auswahl an Vorspeisen wirkt ansprechend und umfänglich, bei den Hauptspeisen geht es um Rindersteaks in allen Formen und Farben, wer mag, bekommt auch ein Hühnchenfilet.
Die Vorspeisen stimmten uns gut ein, das galt für die frischen Pimientos de Padrón
 ebenso wie für die leicht würzigen argentinischen Grillwürste »Chorizo Criollo«. Letztere bringen nicht so vie Schärfe und Paprika mit wie die meisten spanischen Exemplare.

 

Dann endlich: Die Steaks. Filets, 200 Gramm für rund 20,- Euro. Auf den Punkt gegart, das galt für die Medium- wie für die Welldoneversion. Saftig, mit vollem Rindfleischgeschmack, wie es nur gereiftes Fleisch auf den Gaumen zu zaubern vermag. Kein Vergleich mit dem faden 'Jungbullenfleisch' vom Discounter.

Dazu wurden zwei verschiedene Sorten HEINZ-Ketchup auf den Tisch gestellt. Eine seltsame Idee: Die Steaks überwältigten mit derart kräftigem Aroma und solcher Saftigkeit, dass sie keine Sauce oder weitere Würzung brauchten.

Gewünschte Beilagen müssen extra geordert und bezahlt werden, das macht den ganzen Spaß nicht billig. Sie sind aber ebenfalls von hoher Güte, was für Bratkartoffeln Pommes Frites und Grilltomaten gleichermaßen gilt. Angesichts der aufgerufenen Preise wirkt die Präsentation jedoch ein wenig schlicht.


Für Liebhaber hervorragender Steaks genau die richtige Adresse.

---

Das positive Urteil bleibt bestehen, auch im Dezember 2016 sowie im Mai 2017 waren Genusssklavin, Genusspapst und Genussgenie hellauf begeistert von Fleischqualität und Zubereitung - einfach grandios! Insbesondere das in Speck eingewickelte Filet ('Marmorierung 2') verdient die Bewertung 'Zum Niederknien'.
Das Haus ist sehr stolz auf seine selbst produzierte Pfeffersauce, von der allerdings mangels Aroma abzuraten ist - besser passt ohnehin die Café de Paris Butter.
Der Service zeigte sich extrem gut in Form, fühlte sich allerdings genötigt, dem einzigen weiblichen Wesen am Tisch beizuspringen, als sich dieses ob der Bestellung des Filets ('bitte gut durch') beißendem Spott und übelster Häme ausgesetzt sah. Es käme "allein auf den Geschmack an" und die Kerle wollten nur angeben, wenn sie ihr Steak halb kalt bestellten - der gute Mann hat wohl noch nichts von männlicher Solidarität gehört?

Sehr zu empfehlen ist übrigens auch der Nachtisch, besonderes Augenmerk sollte dem geneigte Gourmet de in Armagnac eingelegten Pflaumen zukommen lassen:

Nicht zu empfehlen ist alkoholfreies Löwenbräu-Pils, das doch ziemlich plörrig daherkommt, als Autofahrer besser die Weizenversion bestellen.

Das Parkhaus nebenan ist übrigens ziemlich teuer.

Estancia Steaks
Große Reichenstrasse 27
20457 Hamburg
Tel. 040 3038 4280

 

 
 
genussgenie.de