Jellyfish

 

 

"Qualle" mochte man das Restaurant nicht nennen, "Medusa" hätte mythologisch überladen gewirkt und so kam man dann wohl auf "Jellyfish" - passend für ein Fischrestaurant. Nach den Schwierigkeiten des Vorbesitzers scheint das Ganze nun wieder in die Spur zu finden, unser Besuch im Oktober ließ jedenfalls keine Zweifel an künfigen Sterneweihen aufkommen; vielleicht abgesehen vom karg-rustikalen Holztischambiente und dem Verzicht auf Tischdecken. Letztere fehlen allerdings mittlerweile selbst in 3-Sterne-Häusern.

Brotkorb mit Brot von Gaues


Der Service agierte munter und zeigte sich gut aufgelegt. Wie inzwischen vielfach üblich, konnte ausschließlich das Monatsmenü gewählt werden, wahlweise von fünf (139,- €) bis sieben Gängen (169,- €). Die Getränkepreise bewegen sich bereits im Bereich der Sterne, so schlug ein Glas 2017er Grauburgunder von der Nahe (0,15 l) mit 9,90 € zu Buche; Ladenpreis rund 10,- € pro Flasche. Ein mittelprächtiger Sherry fino kostete 9,50 pro Glas.

Wir entschieden uns für fünf Gänge, die durch erfreulich großzügige Grüße aus der Küche und diverse Zwischengänge ergänzt wurden:



Saibling „geräuchert“ - Kohlrabi | Ducca | Meerrettich
 

Muscheln „Meeresaromen“ - Fenchel | Meereskopfsalat | Melone
 

Pulpo „Gyros“ - Zaziki | Kraut | Oregano
 

Müritz Zander „gebraten“ - Boudin Noir | Sauerkraut | Grünkohl | Zwiebel
 

Falsche Zitrone - Kiwi | Kumquat | Verveine | Kefir



Wer hier also die Klassiker Hamburger Pannfisch oder Scholle Finkenwerder Art erwartet, liegt komplett falsch.

Gruß aus der Küche

Noch ein Gruß - Wachtelei plus Lardo


Die Teller bekamen wir in rascher Folge serviert, und alle waren ziemlich bunt. Das nicht nur hinsichtlich der Farbgestaltung, sondern auch geschmacklich. An die gepflegte Langeweile, wie sie bei Saibling, Zander oder Pulpo gern einmal aufkommt, war überhaupt nicht zu denken. Sämtliche Teller zeigten nicht nur für sich, sondern auch als Menüfolge eine klare Handschrift beim übermütigen Spiel mit säuerlichen bis leicht bitteren Aromen, sogar beim Nachtisch. Produktqualität und Garung der Grundprodukte waren über jeden Zweifel erhaben, gerieten angesichts der Geschmacksfülle aber etwas in den Hintergrund.

Saibling 'geräuchert'

Gerade dem Zanderfilet taten Blutwurst, Zwiebel und Sauerkraut als Kontrapunkt wirklich gut:

 

Der Auster im Zwischengang bekam die üppige Aromatisierung mit altem Tequila zwar ebenfalls hervorragend, aber nur, wenn man, wie wir, keine Austern mag: Sie war nicht mehr durchzuschmecken:

Vordessert mit Eis (Salted Caramel)

 

Dem traumhaft zarten und saftigen Saibling half eine kräftige Duccamischung samt wunderbar abgestimmtem und duftigem Meerretticheis aus dem Sessel.

Allein bei den perfekten Pulporingen wirkten Zaziki und Kraut nicht springlebendig, was an der leicht suppigen Konsistenz gelegen haben mag:

Muscheln/Meeresaromen (2. Gang)

petit fours als Nachtisch-Gruß

Nachtisch 'Falsche Zitrone'

Passend zur säuerlich-bitteren Linie präsentierte sich schließlich der Nachtisch, der sicher nicht für Kindergaumen konzipiert war und als erfrischende Komposition eine gute Weile im Zungengedächtnis haften blieb.
Klare Empfehlung!


 

 

Jellyfish
Weidenallee 12
20357 Hamburg

Tel.: 040 / 4105414

 
 
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